Großes Interesse bei Infoveranstaltung zur geplanten „Kellergassen-Schutzzone Galgenberg“
Großes Interesse und konstruktive Fragen: vor kurzem lud die Gemeinde Grafenegg zu einer Informationsveranstaltung zur geplanten Errichtung einer „Kellergassen-Schutzzone Galgenberg“ – und traf damit den Nerv der Zeit. Ziel der Schutzzone ist es, die kulturhistorisch wertvollen Presshäuser langfristig zu erhalten und das charakteristische Erscheinungsbild der Kellergasse vor Verunstaltungen zu schützen.
„Die Kellergasse ist weit mehr als eine Ansammlung einzelner Presshäuser“, betonte Bauhistoriker Oliver Fries gleich zu Beginn. „Ihr Wert liegt im homogenen Gesamtbild, in den vielen kleinen, oft unscheinbaren Details, die gemeinsam ein einzigartiges Ensemble bilden.“ In seinem Vortrag erläuterte Fries die historische Entwicklung der Kellergassen, ihre ursprünglichen Nutzungen sowie vergleichbare Beispiele aus anderen europäischen Regionen.
Allein in der Gemeinde Grafenegg gibt es vier Kellergassen. Niederösterreichweit sind es sogar über 1.100 Kellergassen mit rund 37.000 Presshäusern – ein einzigartiges Kulturgut, das die Identität ganzer Regionen prägt. Doch genau dieses Ensemble leidet zunehmend unter sogenannten „Bausünden“, die das historische Erscheinungsbild einzelner Kellergassen beeinträchtigen.
Hier setzt das Instrument der Schutzzone an. Doris Knoll, Amtssachverständige für Baukultur des Landes Niederösterreich, erklärte:
„Schutzzonen sind eine Möglichkeit des Substanzschutzes. Es geht darum, gewachsene Strukturen zu erhalten, zeitgemäße Nutzungen zu ermöglichen, den Abbruch historisch wertvoller Keller zu verhindern und unerwünschten Veränderungen entgegenzuwirken.“
Auch Martina Scherz, beauftragte Raumplanerin, hob den praktischen Nutzen hervor:
„Für die Kellergasse wird ein Bebauungsplan erarbeitet, der klar regelt, was künftig möglich ist. Dafür richten wir eine Arbeitsgruppe ein, in der Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde und der Kellerbesitzer gemeinsam gute und tragfähige Lösungen für die Kellergasse Galgenberg entwickeln.“
Dass es dabei nicht um Verbote, sondern um verantwortungsvolles Gestalten geht, betonte Bürgermeister Manfred Denk: „Es geht der Gemeinde nicht darum, etwas zu verhindern. Unser Ziel ist es, dieses Kulturgut zu bewahren und gleichzeitig gute, rechtlich verbindliche Grundlagen für zukünftige Bauanfragen zu schaffen. Bestimmte Nutzungen – etwa ein Hotel – seien aufgrund fehlender Infrastruktur in der Kellergasse kaum realistisch. „Wir wollen ermöglichen, was zur Kellergasse Galgenberg passt, und unpassende Verschandelungen verhindern. Deshalb haben wir uns bewusst für die Erarbeitung eines Schutzzonenkonzepts entschieden. Dieses Projekt hat Pilotcharakter und könnte später auch auf weitere Kellergassen ausgeweitet werden.“
Im März ist ein Workshop geplant, bei dem die zukünftigen Gestaltungsmerkmale und Bebauungsrichtlinien gemeinsam erarbeitet werden sollen, anschließend erfolgt die Begehung.
Was bedeutet eine Kellergassen-Schutzzone?
Ziele der Schutzzone:
- Substanzschutz: Erhalt der gewachsenen Strukturen und des traditionellen Erscheinungsbildes, Vermeidung von Abbrüchen
- Bebauungsrichtlinien: Klare Regeln für Sanierungen und bauliche Maßnahmen, etwa bei Photovoltaikanlagen
- Rechtssicherheit: Festlegung der baulich zulässigen Maßnahmen durch Teilbebauungspläne
Für Kellerbesitzer bedeutet das:
- Beratung und Unterstützung bei Sanierungsvorhaben
- Ermöglichung einer sanften, historisch passenden Nutzung
- Klar definierte, teilweise strengere Vorgaben für bauliche Veränderungen – zum Schutz dieses einzigartigen Kulturgutes
Mit der geplanten Kellergassen-Schutzzone setzt die Gemeinde Grafenegg ein starkes Zeichen für den bewussten Umgang mit Geschichte, Baukultur und regionaler Identität.
Gefördert wird das Projekt durch LEADER:
LAbg. Josef Edlinger, Obmann der LEADER-Region Kamptal+: „Die Kellergassen sind ein zentrales Element unserer regionalen Identität. Sie verbinden Baukultur, Geschichte und Lebensqualität. Initiativen wie die Kellergassen-Schutzzone Galgenberg zeigen, wie Gemeinden Verantwortung für dieses wertvolle Erbe übernehmen und es gleichzeitig für zukünftige Generationen sichern.“
Fotorechte: Günter Haidvogel
vlnr: Hermine Ploiner, Danja Mlinatisch (LEADER-Region Kamptal+), GGR Mag. Stefanie Haidvogel, Bgm. Ing. Manfred Denk, MBA (MG Grafenegg), DI Martina Scherz (Raumplanung im-plan-tat), DI Doris Knoll (Baudirektion NÖ LR), Oliver Fries, M.Sc MSc (Bauhistoriker), Michaela Kienast (Bauamt MG Grafenegg)


